Mit mehr Sicherheit im Gelände: Lawinenrisiko richtig einschätzen

Viel ist in den letzten Wochen über Lawinenabgänge und das richtige Verhalten im Gelände geschrieben worden. Starke Niederschläge, Wind und ein ungünstiger Schneedeckenaufbau haben zu teilweise präkeren Situationen geführt.

Da die Muster der Lawinenereignisse mit Personenbeteiligung vielfach die gleichen sind, hat Rudi Mayr vom Lawinenwarndienst Tirol  dazu einen gute Aufstellung der wichtigsten Lawinenmuster erstellt. Besonders zu beachten sind momentan Altschnee, Wind und ungleiche Schneemächtigkeiten.

Lawinenabgänge sind Teil des alpinen Restrisikos. Es liegt an dir, dieses Risiko mit der richtigen Strategie einzugrenzen.

Lawinenlagebericht und LAWIS

LAWIS mobile Version

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­Der aktuelle Lawinenlagebericht (LLB) ist eine unverzichtbare Info für unsere Tourenplanung!

Unter lawine.at findest du die aktuellen Daten für dein Bundesland und deine Tourenregion.

Die Erstellung des LLB ist Ländersache, und wird aus einer Fülle von Daten aus den Regionen zusammengestellt. Diese Daten findest du im LAWIS. Die lokalen Wetterdaten und die Schneeprofile verschaffen dir hier einen schnellen und fundierten Überblick über die Entwicklung der Verhältnisse im Zielgebiet.

Weiters sind aktuelle Lawinenereignisse meist gut dokumentiert und mit den Auslösegründen beschrieben. Einige Lawinenkommisionen bieten auch einen BLOG in dem eine fundierte Beobachtung der Gesamtsituation zusammengefasst wird.

Hier ein Beispiel für eine gelungene und leicht verständliche Beobachtung

Wenn du ein Smartphone verwendest, ist z.B. Snowsafe eine gute Möglichkeit dir einen schnellen Zugang zu allen vorhandenen Berichten zu verschaffen.

Runterladen kannst du Snowsafe hier

­Tourenplanung und Selbsteinschätzung  ­
­ ­ 9cf1326da5d746bc56446be6c86029ab­Eine verantwortungsvolle Tourenplanung ist ein unverzichtbarer Teil beim Skitourengehen/Freeriden und Variantenfahren

Schon der Beginn einer Auseinandersetzung mit unseren Tourenzielen, oder einfach nur der Frage:" Was wollen wir machen?" setzt einen - im besten Fall- standardisierten Prozess in Gang. Das Spannungsfeld zwischen Sicherheit und Erlebnis setzt einen ehrlichen Umgang mit den eigenen Möglichkeiten und erworbenen Fähigkeiten voraus.

Die entscheidenden Fragen sind zu Beginn immer:

  • Mit wem bin ich unterwegs?
  • Was sind unsere Ziele?
  • Wo will ich unterwegs sein?
  • Wie sind die Verhältnisse am Tourenort?
  • Wie werden die Verhältnisse am Tourentag sein?

In der Zusammensetzung der Teilbereiche Mensch/Verhältnisse/Gelände ergeben sich dann die realistischen Tourenziele.

Die Tourenplanung über Facebook ".... ich suche eine lässige Tour in der Umgebung von XXXX", oder die Suche in Google ".... Skitour mittel Rax" sind bestenfalls dazu geeignet sich Anregungen zu holen.

Im schlechtesten Fall völlig subjektive Informationen von Unbekannten, die "gehört haben, dass...."- Who knows?

Basis für die Tourenplanung sind immer:

Maßstabsgetreue Karte des Gebiets,vetrauensvoller Skitourenführer (Bücher in gebundener Form - nicht das Infoblatt der Touristeninfo)  mit nachvollziehbaren Beschreibungen, Wissen über und Vertrauen gegenüber meinen BegleiterInnen, Daten über die Verhältnisse am Tourenort.

Stelle Dir immer folgende Fragen bevor es losgeht:

  • Kenne ich meine BegleiterInnen auch im Verhalten am Berg und kann ich ihre Fertigkeiten realistisch einschätzen ?
  • Habe/n ich/wir die passende Ausrüstung und können wir diese auch verwenden?
  • Kann ich auf Basis der Informationen aus Karte, Führer und Verhältnissen das Gelände einschätzen und einen realistischen Zeitplan erstellen?
  • Kann ich den LLB lesen, verstehen und Warnhinweise auf mein Tourenziel anwenden
  • Kann ich - jederzeit auch bei schlechten Sichtbedingungen und fehlenden technischen Hilfsmitteln (GPS, Handy) - meinen Standort bestimmen
  • Kann ich eine sinnvolle Spur im Aufstieg und in der Abfahrt selber anlegen
  • Bin ich in der Lage eine Kameradenrettung selber durchzuführen
  • Bin ich in der Lage die Tour auch bei schlechter werdenden Bedingungen (Sicht,Schnee,Wetter....) zu bewältigen oder dort abzubrechen wo ein Rückzug noch sinnvoll möglich ist
  • Kenne ich die Standards auf Skitouren (Abstände, Spuranlage etc.... )

Wenn du eine dieser Fragen nicht mit einem ehrlichen Ja beantworten kannst, ist das ein klares Zeichen an dich, dein Ziel anders zu wählen.....

Hier findest du ein Tourenplanungsformular von ALPS Bergführer Roli Buchroithner

Hier gehts zu den Gefahrenmustervideos  ­
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Die ALPS Lawinenstrategie - praxisnah und leicht verständlich  ­
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Die ALPS Lawinenstrategie ist eine praxisnahe, anwenderfreundliche und vor allem leicht verständliche Zusammenfassung vorhandener und sinnvoller Strategien zum Thema.

Egal ob Munter 3x3, Reduktionsmethode, Stop or Go, Snowcard oder andere Strategien -  die Basis ist immer die Aufteilung in die entscheidenden Faktoren bei der Planung, einer dynamischen Risikoanalyse während der Tour und einem klaren – eingeübten - Handlungsmuster bei Notfällen.

Theoretische Grundlagen:

Jeder Alpninst muss entscheiden, ob es ihm reicht, die Auswirkungen zu sehen, oder die Grundlagen zu verstehen. Basis für eine fundierte Risikobeurteilung ist eine komprimierte und einfach verständliche Zusammenfassung der Themen:

Schnee - Snow is only frozen water??

  • Die wichtigsten (einfachen) physikalischen Grundlagen des Aufbaus von Schnee
  • Schneearten und deren Wandlungen
  • Die Auswirkung von Temperatur und Wind auf den Schneedeckenaufbau
  • Schnee in verschiedenen Geländeformen und Anordnungen

Tourenplanung

Der Mensch - das größte Risiko

Bevor wir uns mit Vorraussagemodellen, Wetterberichten, LLBs oder sonstigem beschäftigen, klären wir einmal 3 einfache Punkte:

  • Was trauen wir uns zu, wo stehen wir in unserem Können und Wissen?
  • Mit wem sind wir unterwegs? Kennen wir die Leute im Sinne ihres Risikoverhaltens und ihrer Erfahrung und Ausbildung?
  • Funktioniert die Gruppe im Sinne gemeinsamer Ziele und Einschätzungen?

Die Verhältnisse - Grundlage für unsere Planung und unser Verhalten

Wetter-, Lawinen- und Schneeberichte spielen in unserer Tourenplanung eine wichtige Rolle. Dazu haben wir eine Vergangenheitskomponente und eine Zukunftskomponente, die wir dynamisch an die tatsächlichen Verhältnisse anpassen. Vereinfacht beginnen wir mit folgenden Checks:

  • Lawinenlagebericht lokal (wichtig ist es hier die Bedeutung der einzelnen Aussagen zu verstehen)
  • Wetterbericht für den Tourentag und vor allem die Tage und Wochen zuvor mit den Daten zu Niederschlagsmengen, Temperaturverläufen und kritischen Ereignissen
  • Gegebenenfalls Berichte von vertrauenswürdigen lokalen Quellen wie Lawinendienste, Polizei, Bergführerbüros, Hüttenwirte, Kollegen zu den Bedingungen

Das Gelände - Was geht wann und wo?

Wir haben nun die Grundlagen und die Möglichkeiten gecheckt. Unsere Ziele sind noch vage gewesen. Mit den nun vorliegenden Informationen gehen wir an die Planung  unseres konkreten Tourenziels.

  • Neigung, Exposition und allgemeine Beurteilung vorhandener und latenter alpiner Gefahren
  • Zeitplan, Schlüsselstellen, Umkehrpunkte und Stützpunkte
  • Hinweise auf Änderungen im Gelände zu den vorhandenen Beschreibungen (z.B. Felsstürze, Veränderungen am Gletscher, Waldschlägerungen, Windwurf, etc.)

Mit diesen Basisinformationen, die mittels Handy und Internetzugang leicht abrufbar sind, haben wir eine solide Basis für eine Planung unserer Winterbergaktivitäten.

Natürlich müssen wir unseren Plan immer wieder den tatsächlichen Gegebenheiten anpassen - hier heißt es nun, solide Entscheidungen in der Gruppe zu diskutieren, zu hinterfragen und einen Konsens herzustellen.

ALPS Notfallmanagement

Weg von Panikmache und unnötiger Verunsicherung zeigen wir dir das richtige Verhalten im Notfall. Hundertmal gelesen, im Internet gesehen und völlig klar, wie es funktioniert.

Du wirst überrascht sein, wie lange es auf einmal dauert, die Sonde zusammenzustecken, das Richtige am Telefon zu sagen, die Gruppe zuzuteilen und die Rettungsmaßnahmen einzuleiten. Das einzig wirksame ist die Praxisübung - am Anfang Schritt für Schritt und dann mit Komplikationen und gegen die Uhr. Du hast im Ernstfall wenig Zeit. Die musst du effizient nutzen!

  • Verwendung von LVS, Sonde, Schaufel
  • Verhalten neben und in der Lawine
  • richtige und effiziente Organisation der Rettungsmaßnahmen
  • schnell und sicher bergen
  • Erstversorgen und Abtransport

Mit den ALPS Lawinenausbildungen wirst du vom Mitgeher zum kritischen Mitentscheider auf Tour, und zu einem funktionierenden Glied in der Rettungskette im Ernstfall.

Die Auseinandersetzung mit dem Thema Lawinen und die Absolvierung unserer Kurse wird dir nie absolute Sicherheit bieten können. Wir versuchen mit dir gemeinsam zu erarbeiten, wo du stehst und welches Restrisiko du eingehen willst und kannst.

Sei ehrlich zu dir selber, denn dein Wissen und deine Einstellung entscheiden wesentlich über dein Restrisiko!


ALPS ADVANCED Lawinenseminar

In 3 Tagen erklären wir dir in Theorie und Praxis unseren Zugang für mehr Sicherheit im Gelände.

Hier findest du die Orte und Termine in ganz Österreich


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