Vorsicht vor falschen Tipps zum Tiefschneefahren!

Ernst Garhammer im Interview über die Risiken bei Tiefschneefahren&Freeriden und die sehr oft unterschätzte Bedeutung der richtigen Ski-Technik.

Wer mit Spaß und gleichzeitig sicher Skitouren gehen und im Tiefschnee unterwegs sein will, sollte sich umfassend vorbereiten. „Die meisten Unfälle sind auf  ungenügendes Fahrkönnen zurückzuführen, sagt Ernst Garhammer. Im Interview mit dem Journalisten Georg Weindl spricht der Tiefschnee-Guru über widersprüchliche Tipps zur richtigen Technik und die entscheidende Rolle einer guten Vorbereitung.

Herr Garhammer, immer mehr Menschen fühlen sich vom Tiefschneefahren beinahe magisch angezogen und wollen diese Faszination selbst erleben. Kann es denn wirklich jeder lernen?
Ernst Garhammer: Dazu stelle ich gerne die Gegenfrage: Was ist der Unterschied zwischen Tiefschneefahren und Golfspielen? Das klingt vielleicht verwunderlich, bringt es aber gut auf den Punkt. Beim Golf braucht man zur Qualifikation eine Platzreife – im Tiefschnee fahren kann angeblich jeder. Theoretisch ist das völlig korrekt. Das Problem ist nur, dass es viele gar nicht wirklich können oder lernen, und einfach auf gut Glück in die Hänge hineinfahren. Dabei ist die richtige Fahr-Technik entscheidend.

Die Zahl der Tourengeher/Freerider ist in den letzten Jahren deutlich gestiegen. Wird da die Sicherheit oft unterschätzt?
Garhammer: Ja, und das gilt vor allem auch für die Abfahrten im freien Gelände. Das richtige Equipment und eine gute Kondition garantieren noch lange kein sicheres Runterkommen. Aus Erfahrung sind bis zu 80 Prozent der schwerwiegenden Unfälle im freien Gelände auf Stürze und ungenügendes Fahrkönnen zurückzuführen. Fast der gesamte Rest, gerade bei Lawinenunglücken, beruht auf taktischem Fehlverhalten und deren Ursachen und Folgen. Auch hier ist das mangelnde Fahrkönnen sehr oft die eigentliche Ursache wie etwa zu wenig Abstand in der Gruppe etc.

Sind die Tourengeher Ski-technisch zu schlecht ausgebildet oder sind sie einfach zu wenig informiert?
Garhammer: Beides. Ein Problem ist, dass man sogar in Fachmagazinen und Fachkreisen, auch in diversen Skilehrplänen meist falsche oder widersprüchliche Aussagen/Anleitungen findet. Paradox ist auch, dass in manchen Alpenländern den Bergführern untersagt wird, skitechnische Anweisungen zu geben, oder dass Skilehrern der Unterricht im Tiefschnee nicht erlaubt wird. Das geht sogar so weit, dass es Eltern eigentlich verboten ist, den eigenen Kindern das (Ski-)Tiefschneefahren beizubringen.

Gibt es denn genug Angebote und Möglichkeiten, sich skitourentechnisch aus- und weiterzubilden?
Garhammer: Das schon. Aber leider wird Tourengehern und Freeridern immer suggeriert, dass das Wichtigste das Sicherheitsequipment wie Lawinengerät, Schaufel, Sonde, Helm und Protektoren sei und das Training mit diesen Geräten. Das ist natürlich wichtig, aber nicht selten heißt es nach tagelangem Training mit LVS-Geräten und Schneeprofil graben dann oft: ab ins Gelände. Wie gut oder schlecht der Einzelne überhaupt Ski fährt, ist häufig nicht Bestandteil dieser Kurse. Das wird quasi vorausgesetzt. Und dabei haben selbst erfahrene Tourengeher/Freerider zum Teil erhebliche ski-technische Probleme bei der Abfahrt - vor allem wenn der Schnee „interessant“ wird. Das ist dann sehr oft windverblasener Schnee und der  bedeutet grundsätzlich erhebliche Lawinengefahr !

Welche Konsequenzen für ihre Kurse ziehen Sie daraus?
Garhammer: Wir konzentrieren uns ganz gezielt auf die Verbesserung des Fahrkönnens als wichtigste Sicherheitsmaßnahme. Dazu gehört auch, dass wir unsere Kursteilnehmer ganz nach individuellem Können in Gruppen einteilen. Dort kann es dann wirklich jeder lernen, denn im Prinzip handelt es sich beim Tiefschneefahren um ganz natürliche Bewegungsabläufe.

Was heißt das konkret?
Garhammer: Unsere ABS-Technik orientiert sich am natürlichen Bewegungsverhalten von Kindern. ABS steht für Andrehen, Beugen und Strecken und macht den Schwung zu einer einfachen, rhythmischen Bewegung. Schwingen bzw. Drehen des Oberkörpers als Drehimpuls für die Ski, kein oder nur ganz geringer Stockeinsatz, der ansonsten mit viel Kraft korrigiert werden muss. Keine Hoch-Tief-Bewegungen, kein seitliches Verbiegen, kein Umsteigen. Dazu die Hände relativ weit weg vom Körper als Schwungunterstützung und gleichzeitig für mehr Balance. Und man fängt nicht mit Tempo und gleich parallel, das folgt später, sondern mit langsamen Pflugfahren an. Selbst absolute Tiefschnee-Neulinge – ob Bergfexe, Flachländer, Schüler oder Pensionisten – können so das Erlebnis Tiefschnee erfahren.

Funktioniert die Technik denn auch, wenn die Bedingungen mal nicht ideal sind?
Garhammer: Ja gerade da muss es funktionieren. Auch das ist ein Vorteil der ABS-Technik. Mit ihr ist man für die unterschiedlichsten Schneearten gerüstet, denn im Laufe des Winters und eigentlich fast bei jeder Anfahrt, auch auf der Piste hat man es ganz automatisch auch mal mit harten, windverblasenen Hängen, mit Bruchharsch und auch Buckelpisten zu tun. Bei solchen Bedingungen ist zudem natürlich generell besondere Konzentration gefordert.

Mehr Infos zu Garhammer Ski Tours unter www.garhammer.com

Tiefschneefahren Gruppe 02 web